Laut einem Bericht der Bundesregierung (auf Basis des Verbrauchermonitors des Bundesinstituts für Risikobewertung, BfR) nehmen mehr als zwei Drittel der Deutschen wöchentlich Nahrungsergänzungsmittel zu sich. Pulverformen machen einen nicht unerheblichen Teil dieses Angebots aus. Sie lassen sich flexibel und individuell dosieren, bringen aber zugleich eigene Fehlerquellen mit. Der Beitrag zeigt, wie sich die Qualität beurteilen lässt, wo bei der Dosierung Grenzen liegen und welche Regeln sich im Alltag bewährt haben.
Pulver oder Kapsel: Was die Darreichungsform verändert
Pulver haben gegenüber Kapseln und Tabletten einen klaren Vorteil. Die Menge lässt sich in kleinen Schritten anpassen, und es braucht keine Kapselhülle. Dem stehen Nachteile gegenüber: Ein Messlöffel arbeitet ungenauer als eine Kapsel mit festem Gehalt, Feuchtigkeit lässt das Produkt verklumpen, und der Geschmack fällt bei manchen Wirkstoffen unangenehm aus.
Bei Nukleotiden, den Bausteinen von DNA und RNA, stellt sich dieselbe Frage. Nukleotide Pulver sind eine Variante, daneben gibt es Kapseln. Der Körper bildet Nukleotide größtenteils selbst und nimmt zusätzliche Mengen etwa über Hefe, Fisch oder Hülsenfrüchte auf. Ob eine Ergänzung einen Nutzen bringt, ist wissenschaftlich offen. Das zuständige Gremium der EFSA sah in seiner Bewertung zu Nukleotiden und Immunabwehr aus dem Jahr 2011 einen Ursache-Wirkungs-Zusammenhang als nicht belegt an. Entsprechende gesundheitsbezogene Werbeaussagen sind in der EU daher nicht zugelassen.
Qualitätskriterien: Woran sich ein seriöses Pulver erkennen lässt
Anders als Arzneimittel durchlaufen Nahrungsergänzungsmittel vor dem Verkauf kein Zulassungsverfahren. Die Verantwortung für Sicherheit und Kennzeichnung liegt beim Hersteller. Verbraucher können deshalb selbst auf diese Punkte achten:
- Vollständige Zutatenliste mit Angabe des Wirkstoffgehalts je Tagesportion
- Möglichst wenige Zusatzstoffe wie Süßungsmittel, Aromen oder Trennmittel
- Chargennummer und Mindesthaltbarkeitsdatum auf der Verpackung
- Laboranalysen auf Schwermetalle und Keime, idealerweise von einem unabhängigen Labor
- Eindeutige Allergenkennzeichnung und Angaben zur Rohstoffherkunft
- Herstellung in Betrieben mit dokumentiertem Qualitätsmanagement, etwa nach HACCP oder GMP
Skepsis ist angebracht, wenn Begriffe wie „heilt“, „garantiert“ oder „klinisch bewiesen“ ohne konkrete Studienangabe auftauchen. Ein seriöser Anbieter nennt die Quelle und den Studientyp.
Dosierung: Wo die Grenzen liegen
Das BfR hat Höchstmengenempfehlungen für Vitamine und Mineralstoffe in Nahrungsergänzungsmitteln veröffentlicht. Sie beziehen sich auf Personen ab 15 Jahren. Rechtlich verbindlich sind sie laut Verbraucherzentrale nicht, Hersteller müssen sich also nicht daran halten.
Für Stoffe wie Nukleotide fehlen vergleichbare Referenzwerte. Die vom Hersteller angegebene Tagesportion ist dann der einzige Anhaltspunkt und sollte nicht überschritten werden. Bei Pulvern kommt ein praktisches Problem hinzu: Ein gehäufter statt gestrichener Messlöffel kann die aufgenommene Menge spürbar erhöhen. Sinnvoll ist es, ausschließlich den mitgelieferten Löffel zu verwenden und ihn glatt zu streichen.
Auch der Gesundheitszustand spielt eine Rolle. Purine werden im Körper zu Harnsäure abgebaut. Menschen mit Gicht oder erhöhten Harnsäurewerten sollten Präparate mit Nukleotiden deshalb vorab ärztlich abklären lassen. Dasselbe gilt für Schwangerschaft, Stillzeit und die regelmäßige Einnahme von Medikamenten.
Dos und Don’ts im Alltag
Dos
- Den Bedarf vor der Einnahme klären, etwa anhand von Blutwerten oder in der Arztpraxis
- Die Tagesportion einhalten und den Messlöffel gestrichen füllen
- Das Pulver trocken, dunkel und gut verschlossen lagern
- Die Packung nach dem Öffnen innerhalb der angegebenen Frist aufbrauchen
- Unverträglichkeiten notieren und bei Beschwerden das Präparat absetzen
Don’ts
- Mehrere Produkte mit demselben Wirkstoff parallel einnehmen
- Ein Pulver als Ersatz für eine abwechslungsreiche Ernährung betrachten
- Heilversprechen ohne belastbare Quelle Glauben schenken
- Präparate an Kinder verabreichen, ohne dies ärztlich abzustimmen
- Die Dosis erhöhen, weil sich nach kurzer Zeit kein Effekt zeigt
Vor dem Kauf prüfen
Eine kurze Prüfung in drei Schritten reduziert das Risiko einer Fehlentscheidung. Erstens den Bedarf klären, statt auf Verdacht zu ergänzen. Zweitens Etikett und Laboranalyse kontrollieren und Produkte ohne nachvollziehbare Angaben aussortieren. Drittens einen festen Beobachtungszeitraum festlegen, die Tagesportion schriftlich festhalten und das Präparat wieder absetzen, wenn sich kein Nutzen zeigt.
